Orientierungswissen & Rahmenbedienungen

Die thematische Auseinandersetzung mit Aspekte jener Verflechtungen, deren ideologischer Background sich als Wegbereiter des deutschen Faschismus und dessen Vernichtungsmaschinerie präsentieren ist der Ausgangspunkt dieser Installation. Weltanschauliche Positionen und deren Einflüsse sind auf ihre inhaltlichen Bedeutungen (Metaebene) für zeitgenössische Praxen der Jugendhilfe (ehem. Fürsorge) hin zu befragen.

Sowohl auf personeller, als auch inhaltlicher Ebene scheinen manch (filigrane) Linien nach 1945 weder beendet noch gebrochen. Frühkindliche nationalsozialistische Erziehung wirkte also noch lange nach 1945 fort. Das tat sie nicht nur durch Mütter, die nach dem sogenannten Zusammenbruch keineswegs ihre vorher „bewährten“ Praktiken aufgaben, sondern es geschah darüber hinaus, indem das, was Kindern zuvor angetan worden war, weiterhin wirksam blieb und bis heute zu spüren ist. (1)

Der berufseigene Wissensstand innerhalb der Sozialpädagogik um die nazistischen Massenverbrechen, bzw. deren Bedienungen im Kontext der Kinder- und Jugendwohlfahrt, sowie eine daraus resultierende moralische Verpflichtung samt ihrer Integration in die alltägliche Arbeit, scheint äusserst Lückenhaft zu sein.

Was im Kontext der PFGP(2) und deren Kämpfe um eine veränderte Perspektive auf Denkmäler die Bausubstanz darzustellen scheint, welche es anzugreifen und nachhaltig zu beeinflussen gilt, scheint mir in der Auseinandersetzung mit der sozialpädagogischen Praxis die „inhaltliche Positionierung“ der Pädagog_innen zu sein. Als Fundamente dieser Positionierungen begreife ich dabei jene strukturellen Gegebenheiten (Rahmenbedienungen), welche sich einschreiben in das ideologisch organisierte alltägliche Handeln.(3)

Rahmenbedienungen aus welchen ein dementsprechendes Orientierungswissen entsteht zu analysieren sowie die dahinterstehenden Konzepte im Kontext einer historischen Verantwortung gegenüber den ehem. Deklassierten zu benennen und anzugreifen, verstehe ich als Anliegen dieses Projekts.(4)

 

(1) Chamberlain 1997 S.09

(2) PFGP - Plattform Geschichtspolitik - Die Arbeitsgruppe Plattform Geschichtspolitik ist eine Initiative von Student_innen, Aktivist_innen und Lehrenden, die der Akademie der bildenden Künste Wien nahe stehen und versteht sich als offenes Kollektiv im Sinne jener Arbeitsgruppen die im Rahmen der Akademiebesetzung entstanden sind. Sie markiert den Beginn eines kontinuierlichen Prozesses, in dem die Teilhabe der Akademie an Kolonialismus, (Austro-)Faschismus und Nationalsozialismus kritisch reflektiert und öffentlich verhandelt wird.

(3) z.B. Hierarchische Strukturen & -Vermittlungsprozesse, Funktionsbeurteilungen & Pathologisierung, Methoden der „Abklärung“ - Diagnostische Selbstläufer (ICD 10);

(4) z.B. etwa auch die Rahmenbedienungen aus welchen die Jugendhilfe selber erwuchs